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Das Projekt bezieht sich geographisch auf die 9 Ostseeländer Deutschland (Nord- und Ostdeutschland) Polen (Nord- und Mittelpolen), Litauen, Lettland, Estland, Finnland, Norwegen, Schweden und Dänemark. Aus diesen Ländern werden 32 Handwerks-, Industrie- und Handelskammern mit ihren überbetrieblichen Aus- und Weiterbildungseinrichtungen angesprochen, die in ihrer Gesamtheit rund 400.000 kleine und mittlere Unternehmen als Mitglieder vertreten. Alle Kammern sind Mitglied des Hanse-Parlaments (Antragsteller und Projektkoordinator).

Es ist erklärtes Ziel der EU-Politik sowie aller nationalen Politiken, die internationale Tätigkeit der KMU nachhaltig zu fördern. Die Wachstumsreserven der KMU im internationalen Bereich sind in den einzelnen Ostseeländern unterschiedlich hoch. Beispielsweise sind in Dänemark und Schweden bereits über 20% der Handwerksbetriebe international tätig. Dagegen liegt die Exportquote z. B. des deutschen und polnischen Handwerks unter 4%. Daraus ergeben sich große Möglichkeiten des Lernens voneinander zur Stärkung der internationalen Zusammenarbeit von KMU. Besonders groß sind die Wachstumsreserven in der Außenwirtschaft des Handwerks in Deutschland, Polen, Litauen, Lettland und Estland.
Mit dem EU-Binnenmarkt und der EU-Erweiterung müssen sich die KMU international aufstellen, um auch längerfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Dieser Prozess bedarf einer zielgerichteten Vorbereitung und Begleitung, insbesondere auch eine entsprechende Qualifizierung des Personals. Zahlreiche Informationsveranstaltungen zur Außenwirtschaft, Ländersprechtage, Kooperationsbörsen usw., die von den Mitgliedern des Hanse-Parlaments durchgeführt wurden, haben gezeigt, dass
a) in KMU ein großes Interesse besteht, neue Märkte und Wettbewerbsfelder im Ostseeraum zu erschließen.
b)in den KMU ein sehr großer Bedarf besteht, qualifizierte Fachkräfte - insbesondere auch mit internationalen Kenntnissen und Erfahrungen – zu gewinnen.

Um die großen Chancen der KMU in der Außenwirtschaft zu nutzen, benötigen die Unternehmen dringend qualifizierte Führungs- und Fachkräfte, die auch über Kenntnisse und Erfahrungen im internationalen Geschäft verfügen. Allerdings ist es für KMU mehr und mehr problematisch, qualifizierte Kräfte zu finden. Diese Situation wird sich durch die demographischen Herausforderungen deutlich verschärfen. Hinzu kommt, dass sich die Qualifikationserfordernisse erhöhen und zunehmend auch internationale Kenntnisse benötigt werden.
Nach den Umfragen des Hanse-Parlaments ist davon auszugehen, dass von den 400.000 KMU, die hierüber organisiert sind, mindestens 10% durchschnittlich je 2 Fachkräfte mit derartigen internationalen Erfahrungen und Kenntnisse benötigen. Allein daraus ergibt sich bereits ein Qualifizierungsbedarf für 80.000 Personen. Da die Anzahl der KMU in den einbezogenen Ostseeländern noch sehr viel höher ist, ist längerfristig allein hier von einem Qualifizierungsbedarf für mindestens 200.000 Personen auszugehen. Da die skizzierten Entwicklungen und Bedarfssituationen in allen EU-Ländern zwar mit unterschiedlicher Intensität, weit gehend jedoch ähnlich verlaufen, ergibt sich für die gesamte EU längerfristig ein derartiger Qualifizierungsbedarf für mindestens 1 Millionen Personen.

Aktuell besonders hoch ist dieser Personalbedarf in Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland. Hier ist man dazu übergegangen, entsprechendes Personal aus anderen Ostseeländern anzuwerben. Allerdings zeichnet sich auch in diesen Ländern (Deutschland, Polen, 3 baltische Länder) ein zunehmender Fachkräftemangel ab, sodass Abwerbungen kritisch betrachtet werden. Länder mit hohen Abwanderungsraten (Polen, 3 baltische Länder) stehen einer verstärkten Mobilität kritisch gegenüber und drängen auf verstärkte Rückkehrförderungen. In allen Ländern wird die Sicherung des wachsenden Bedarfs an Führungs- und Fachkräften – insbesondere auch mit internationalen Kenntnissen - für die kleinen und mittleren Unternehmen zur entscheidenden Überlebensfrage und damit zur allerwichtigsten Förderaufgabe für Mittelstand und Handwerk.
Regional unterschiedlich groß ist das Potenzial an Arbeitskräften, die über eine entsprechende Qualifizierung für Tätigkeiten in KMU zusätzlich gewonnen werden können. Insbesondere ländliche Regionen (z. B. Mecklenburg-Vorpommern sowie die Regionen Stettin, Olsztyn, Białystok oder Lublin) berichten über höhere Potenziale auf Grund hoher Arbeitslosigkeit und Freisetzung von Arbeitskräften aus der Landwirtschaft. Dementsprechend bestehen gute Chancen, den spezifischen Fachkräftebedarf durch intensive Weiterbildung und verstärkte Mobilität zumindest teilweise innerhalb des Ostseeraumes ausgleichen zu können. Gemäß den regionalen Besonderheiten und zur Erhöhung der Akzeptanz ist es dabei äußerst wichtig, dass entsprechende Fördermaßnahmen in allen Ländern und Regionen des Ostseeraumes wirksam werden.

Mit der Maastricht-Erklärung im Jahr 2004, der Strategie Lissabon von 2000 und mehreren anderen Strategien der EU sollen sowohl die Mobilität von Arbeitskräften als auch Lebenslanges Lernen nachdrücklich gefördert werden, um Beschäftigung und Wirtschaftswachstum in den EU-Ländern zu steigern und sicherzustellen. Lebenslanges Lernen ist eine Notwendigkeit beim Umgang mit raschen sozialen, technologischen und ökonomischen Änderungen und Alterung der Bevölkerung und ein zentraler Schlüssel, um die ehrgeizigen Lissabon-Ziele zu erreichen.
Eine der Lissabon-Strategien 2010 zielt darauf ab, die geographische Mobilität in der Europäischen Union zu steigern. Aktuell sind aber nur 1,5% der Erwerbstätigen der EU 15 in einem anderen EU-Land beschäftigt. Auch grenzüberschreitendes Pendeln ist in den EU 15 mit nur 0,2% bis 0,3% der Erwerbstätigen relativ gering. Diese niedrige Mobilität ist umso bedenklicher, da in KMU Wissensaustausch und die Aufnahme einer internationalen Tätigkeit in allererster Linie über persönliche Verbindungen und Kontakte verlaufen. Internationale Kenntnisse und Erfahrungen der Fachkräfte sowie höhere Mobilität sind die entscheidenden Voraussetzungen, um die Wachstumschancen der KMU zu nutzen und eine hohe Beschäftigung zu sichern.

Zielgruppen des Projektes sind:
+ Inhaber kleiner und mittlerer Unternehmen
+ Führungs- und Fachkräfte der KMU
+ Jüngere Fachkräfte nach Abschluss der beruflichen Ausbildung
+ Studenten, die eine Tätigkeit in KMU anstreben
+ Arbeitslose Fachkräfte, die mit diesen Qualifikationen ihre Arbeitsmarktchancen verbessern
+ Fachkräfte aus anderen Wirtschaftsbereichen, die dort freigesetzt werden und mit diesen Zusatzqualifikationen in KMU tätig werden können.

Diese Personen sollen eine Qualifizierung im internationalen Geschäft erhalten und über eine umfassende Weiterbildung, die auch ein Praktikum in einem ausländischen Unternehmen einbezieht, insbesondere folgende Kompetenzen erwerben:
* Fremdspachkompetenz: Business-Englisch (Anfänger- und Aufbaukurs)
* Soziokulturelle Kompetenzen: Kenntnisse im interkulturellen Management
* Kenntnisse der internationalen Märkte und der Geschäftsmöglichkeiten im Ostseeraum
* Fachwissen über ausländische Unternehmensstrukturen
* Umfangreiche Kenntnisse landesspezifischer Gegebenheiten
* Kompetenzen im internationalen Business/Außenwirtschaft
* Selbstständiges Arbeiten am Beispiel von Fallstudien
* Internationales Mentoring und Auslandspraktikum
* Abfassung eines Abschlussberichtes einschließlich konkreter Konzepte für die internationale
Tätigkeit des einheimischen und des ausländischen Unternehmens
* Offizielle Prüfung mit anerkanntem Abschluss.
Die Teilnehmer erwerben Kenntnisse und Fähigkeiten, die auf dem Arbeitsmarkt dringend benötigt werden (Priorität 4) und können damit ihre Beschäftigung sichern bzw. einen sicheren neuen Arbeitsplatz erhalten. Zugleich werden damit den KMU die benötigten Kräfte mit internationalen Kenntnissen angeboten und direkt auch über das einbezogene Auslandspraktikum persönliche Beziehungen zu ausländischen Unternehmen aufgebaut.

Im Rahmen der zwei großen Projekte " Baltic Spatial Development Measures for Enterprises - BSME" und "Entwicklungschancen für KMU im Ostseeraum" wurden differenziert vom Hanse-Parlament und seinen Mitgliedern untersucht:
- Chancen und Risiken in der Außenwirtschaft für KMU
- Bedingungen und Voraussetzungen für eine erfolgreiche internationale Tätigkeit von KMU
- Qualifikationsprofile für außenwirtschaftliche Tätigkeiten
- Personal- und Qualifikationsbedarf der KMU für das internationale Geschäft.
Diese Arbeiten sind abgeschlossen, die Ergebnisse wurden veröffentlicht und bilden eine entscheidende Grundlage für die Durchführung dieses Vorhabens. Außerdem beruhen die vorstehend skizzierten Bedarfsschätzungen auf Erfahrungen, Umfragen und Workshops mit allen Mitgliedern (Handwerks-, Industrie- und Handelskammern aus den Ostseeländern) des Hanse-Parlaments.

Die Zusammenarbeit der Kammern und Weiterbildungseinrichtungen des Ostseeraumes im Rahmen des Hanse-Parlaments basiert auf langjährigen gemeinsamen Erfahrungen und stabiler Vertrauensgrundlage. Das Hanse-Parlament entwickelt und erprobt die Fördermaßnahmen, transferiert diese an alle Mitglieder, die diese Maßnahmen dann als Dienstleistung und Förderung in ihrer jeweiligen Region den KMU, deren Mitarbeitern und weiteren Personen dauerhaft erbringen. Diese bewährte Kooperation ist auch entscheidend für den Erfolg in diesem Projekt. Die Mitglieder des Hanse-Parlaments werden über folgende Formen in das Projekt einbezogen:
1. Sieben Mitglieder aus Deutschland, Polen, Litauen, Lettland, Finnland und Norwegen wirken als Projektpartner mit, um unterschiedliche Bedingungen der Ostseeländer einzubringen, an der Entwicklung des Lehrgangskonzeptes mitzuwirken, die praktische Erprobung (bei Projektpartner Handwerkskammer Schwerin) zu begleiten und insbesondere KMU aus diesen Ländern direkt in die Projektarbeiten einzubeziehen und ihre tatsächlichen Bedürnisse umfassend zu berücksichtigen.
2. Ergänzend zu diesen Projektpartnern werden weitere 25 Mitglieder des Hanse-Parlaments aus allen EU-Ostseeländern und Norwegen als Experten in die Transferaktivitäten eingebunden, sodass ein Transfer sowie eine dauerhafte Nutzung der Qualifizierungsmaßnahme in insgesamt 32 Regionen aus 9 Ostseeländern erreicht werden.
3. Die Mitglieder des Hanse-Parlaments aus Russland und Weißrussland werden nicht an diesem Projekt beteilig, erhalten jedoch die Ergebnisse über die regulären Arbeiten des Hanse-Parlaments.

Das Hanse-Parlament wird einen umfassenden Weiterbildungslehrgang "Doing Business international for SME" entwickeln und dabei auch vorliegende Ergebnisse und innovative Vorarbeiten beispielsweise aus Exportseminaren, Englischkursen usw. einbeziehen. In die konzeptionellen Entwicklungsarbeiten werden alle Partner eingebunden, sodass die nationalen Qualifizierungserfordernisse vollständig Berücksichtigung finden. In diese konzeptionellen Aufgaben und sämtliche weiteren Arbeitsschritte werden direkt auch KMU-Vertreter aus den einzelnen Ländern mitwirken, um die spezifischen Bedürfnisse, Bedingungen und Vorstellungen der KMU vollständig zu erfassen.
Der Lehrgang wird dann beim Partner „Handwerkskammer Schwerin“ praktisch erprobt; das Hanse-Parlament begleitet und evaluiert diese Erstanwendung.
Anschließend erfolgt ein Transfer der Weiterbildungsmaßnahme zu allen Mitgliedern des Hanse-Parlaments, die diese dann in ihren Weiterbildungseinrichtungen dauerhaft anbieten. Der Transferprozess wird vom Hanse-Parlament durch Einzel- und Gruppenberatungen, Train the Trainer-Maßnahmen usw. unterstützt. In dem Weiterbildungs-Lehrgang einbezogen ist ein Praktikum der Teilnehmer in einem ausländischen Unternehmen. In diesem Rahmen erstellen die Teilnehmer Konzepte zur Entwicklung des internationalen Geschäftes für das einheimische wie für das ausländische KMU und leisten damit einen wichtigen Förderbeitrag zur internationalen Aufstellung der KMU. Organisation und Durchführung des internationalen Austausches erfolgen über das Mitglieder-Netzwerk des Hanse-Parlaments. Die Mobilitätskosten im Zusammenhang mit dem Auslandspraktikum sollen gesondert über die spezifischen EU-Mobilitäts-Programme gefördert werden.

Der Weiterbildungs-Lehrgang beinhaltet auch einen Business-Englischkurs und fördert damit den für die außenwirtschaftliche Tätigkeit so wichtigen Erwerb einer Fremdsprache.

Der Lehrgang wird mit einer offiziellen Weiterbildungsprüfung abgeschlossen, die in allen Ländern nach vergleichbaren Regeln und Bewertungen gestaltet wird. Damit wird ein Beitrag geleistet zur Herstellung von Transparenz und zur Anerkennung formell und informell erworbener Kompetenzen in und zwischen den beteiligten 9 Ländern. Diesbezüglich kann aufgebaut werden auf dem innovativen Projekt "Baltic Education", in dessen Rahmen ein Qualifizierungsrahmen für den Ostseeraum geschaffen wurde, Modualisierungen und Bewertungen handwerklicher Ausbildungen erfolgten und ein Verfahren zur gegenseitigen Anerkennung von beruflichen Bildungsabschlüssen entwickelt wurde.